Shinjuku Meiji Stroll

Wie lernt man die räumliche und geografische Ausdehnung einer Stadt am besten kennen? Wenns nach mir geht indem man sie – so weit möglich – zu Fuß erschließt oder sie von oben betrachtet. Bestenfalls beides. Nach dem nächtlichen 5-Kilometer-Fußmarsch vom Hostel zum Fischmarkt schien es mir logisch weiter zu spazieren so lange mich meine Füße tragen.

Ich schaue mir Städte und Landschaften prinzipiell gern von oben an und ich finde gerade hier macht das Sinn, denn Tokyo bildet mit Yokohama die größte Metropolenregion der Welt. 37,55 Millionen Menschen leben auf einer Fläche von 13.752 km². Zum Vergleich: Oberösterreich hat knapp 12.000 km² und 1,4 Millionen Einwohner.
Tokyo selbst misst 622 km² und beheimatet ca. 9,15 Millionen Menschen. Verglichen mit Wien und seinen 1,8 Millionen Einwohnern auf 415 km² lässt sich die massive Bevölkerungsdichte erahnen.

Eine sehr gute und kostenlose Möglichkeit nach oben zu kommen bietet die Tokyo City Hall mit ihren beiden Zwillingstürmen, die jeweils im 45. Stockwerk eine Aussichtsplattform besitzen. Sofern man sich für einen der beiden entscheiden kann ist man mit dem Express-Aufzug ziemlich rasch von der Ameisen- in die Vogelperspektive gewechselt.

Zwar kann man vom 45. Stockwerk die gesamte Dimension dieses Ballungsraums auch nur erahnen, die innerstädtische Struktur erschließt sich einem dennoch recht gut. Tokyo ist sehr dezentral gegliedert, es besitzt nicht eines oder wenige sondern viele Zentren mit Ansammlungen von Wolkenkratzern und Großbauten. Ziemlich überraschend fand ich wiederum, dass nahtlos an diese Zentren Wohnsiedlungen mit zwei bis vier Geschossen anschließen – flächendeckend, quer durch die gesamte Stadt. Mein Gesamteindruck vom ersten Tokyo-Besuch war somit bestätigt: Tokyo ist über weite Strecken sehr niedrig aber dicht bebaut. Was dem österreichischen Auge ebenfalls unweigerlich auffällt ist das Fehlen von Grünflächen. Es gibt zwar große Park- und Gartenanlagen, verglichen mit Beton- und Asphaltanteil sind die aber leicht zu übersehen.

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Eine Ausnahme: erfrischend üppiges Grün, wenige Meter hinter den Wolkenkratzern Shinjukus.

Danach war Kontrastprogramm fällig. Schon von der Aussichtsplattform ist mir der Yoyogi-Park ins Auge gestochen, der den Meiji-Schrein, Tokyos größten Shintō-Schrein, beheimatet. Dieser ist dem Herrscher Meiji gewidmet, welcher Japan während seiner Regierungszeit von 1867 bis 1912 Japan reformierte und den Grundstock des modernen Japans legte. Auch der Shintō-Glaube wurde unter seiner Herrschaft reformiert und zur offiziellen Staatsreligion gemacht. Shintō bedient sich alter japanischer Urmythen, des Buddhismus und Konfuzianismus und ist an keine Dogmen gebunden. Er richtet sich an eine Vielzahl japanischer Götter und verehrt auch den Tennō (japanischen Kaiser) als Glaubensgründer.

Jedes Wochenende finden hier Hochzeiten nach Shintō-Ritual statt. In einem Seitenhof werden die Hochzeitspaare und -gesellschaften in Form gebracht und fotografisch festgehalten.

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9 Gedanken zu “Shinjuku Meiji Stroll

  1. passender Literatur-Tip:
    TOKYO SUPERDICHTE, Wolfgang Koelbl

    Tokyo als ‘Non‐City’, funktional basierend auf einem anarchistischen, theoretischen Konzept der Super-Dichte. Eine Stadt, die sich jeglicher (herkömmlichen) Urbanität entledigt, um sich Super-Dichte bedienen zu können. Eine Stadt in dem puren Zustand der Intensität (was man für gewöhnlich nur aus darstellender Kunst kennt). Das Maximum einer Stadt is gleichzeitig ihr Ende. Super-Dichte ist die finale Entwicklung von Urbanität.

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    1. Dennoch wundere ich mich, warum in Tokyo neuer Wohnraum nicht vertikal erschlossen wird. Hongkong ist dazu das beste Gegenbeispiel. Hier wird ohne mit der Wimper zu zucken in alle Richtungen und vor allem nach oben erweitert.

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      1. bin ich mir auch nicht mehr sicher… aber ich glaube mich an eine relativ strenge Zonierung erinnern zu können, die eben die max. Höhe reglementiert.
        ich glaub nur rund um große Stationen (railway urbanization) und großen Straßen ist vertikale Verdichtung erlaubt.

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      2. Muss wohl so sein. Es fühlt sich im Vergleich zu Hongkong auch viel „natürlicher“ und menschlicher an, wenn man das so nennen kann.

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  2. Hallo Wolfi,

    sehr gründlich recherchiert und informativ aufbereitet; ich fühl mich gleich wieder
    mitten drin!
    Weiter so, ich freu mich schon auf ff-Berichte!
    Papa

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