Bei meinem ersten Tokyo-Besuch leider versäumt wollte ich diesmal den Tsukiji-Firschmarkt sehen. Jeden Samstag Morgen dürfen 120 Zivilisten bei den sonst von der Außenwelt verschlossenen Thunfisch-Auktionen dabei sein. Natürlich kann man sich dafür nicht vorab registrieren und es wäre nicht Japan, wenn es nicht auch dafür eine Anstell- und Wartepflicht gäbe. Da die öffentliche Auktion um 5:25 Uhr startet, die 120 Plätze in der Regel sehr beliebt sind, nachts keine U-Bahn fährt und Taxis unbezahlbar sind beschloss ich, meinen Jetlag zu nutzen und mitten in der Nacht aufzubrechen.
Nach gut sechs Stunden Schlaf wachte ich zum ersten Mal in Tokyo auf. Den Wecker um 2:40 Uhr nicht mehr erwarten wollend stieg ich früher aus dem mehr als gemütlichen Dorm-Bett. Im Badezimmer traf ich auf einen spät duschenden Mitbewohner der überrascht aber begeistert von meinem Tsukiji-Plan war: „Take care!“ Als ob das nicht Tokyo für mich übernehmen würde.
Der einstündige Spaziergang entlang der Google-Maps-Route war einzig und allein deshalb aufregend, weil einfach nichts passierte. Abgesehen von ein paar Convenies (24h-Mini-Markets), nächtlichen Baustellen und einer Hand voll nachhause wankender Businessladies und -men war ich so gut wie alleine unterwegs, wären da nicht ab und zu die zeitlos designten Taxis majestätisch an mir vorbei geschwebt.
Gestärkt durch heißen Dosenkaffee aus der Vending Machine (!!!) und einen Reis-Snack aus dem Convenie kam ich um 3:30 Uhr am Marktgelände an. Den Markt und die Thunfischhalle zu finden war anhand der guten Online-Beschreibungen nicht schwierig. Das „Fish Information Center“ in dem es sich anzumelden galt dagegen schon. Das lag an der verschwindenden Größe des Gebäudes in das die 120 Auserwählten – ganz japanisch – in Bodenhaltung zusammen gepfercht werden sollten. Gut hundert Buchseiten später war meine Gruppe – erkennbar an den blauen Westen – an der Reihe.
Ich bin Thunfisch-Fan, esse ihn in allen möglichen Varianten gern, aber einen Fisch im Ganzen kann ich mich nicht erinnern zuvor gesehen zu haben. Hier reihte sich eine Halle an die andere und in jeder lagen hunderte dieser mächtigen Tiere. Ausgenommen, flossenlos und tiefgefroren.
Nachdem die blaue Gruppe seitlich an der Hallenmauer Aufstellung genommen hat nahm das Schauspiel, das – wie uns ausdrücklich erklärt wurde – keines war, seinen Lauf. Jede Fischerei hatte ihren Fang in Reih und Glied aufgelegt, die Händler schwänzelten um die Ware herum und begutachteten sie aus allen Perspektiven, hauptsächlich aber von hinten, und nutzten dazu zwei Hilfsmittel: Pickel und Taschenlampe.
Glockengebimmel läutete den Hauptakt ein.
Sechs Fische in 90 Sekunden. Nach etwa 20 Minuten war diese eine Halle leer und unser Besuch zu Ende. Während sich das Spiel in den angrenzenden Hallen fortsetzte wanderten wir im Gänsemarsch retour.
Jeder Arbeitstag im Leben eines Tsukiji-Fischhändlers endet im angeschlossenen Shinto-Schrein.

sehr geil Wolfi, im Mai komme ich nach Japan, schade dass du da nicht mehr da sein wirst ….
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Ja, schade. Aber lass mich wissen, wenn du Tipps brauchst. 😉
Wo gehts genau hin?
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Hallo Wolfi,
ein toller Bericht – herrliche Erinnerung an unsere Japan-Tour.
Freu mich schon auf die Folgeberichte!
Papa
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arrrr gulasch!
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Abwarten, es kommt noch mehr Food Porn 🙂
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Hej Wolfi!
Genialer Bericht und sicher ein riesen Erlebnis. Des würd ich auch gern mal erleben, aber durch deine perfekte und ausführliche Berichterstattung fühlt man sich eh fast vor Ort. Weiter so freu mi weitere spannende Zeilen von dir mit vollem Interesse zu lesen 🙂
Viel Spaß bei der nächsten Station!
Glg Magdalena
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Hallo Wolfi,
schade, dass der Bericht schon aus ist. Ich habe mit großem Interesse deine Ausführungen gelesen. Obwohl ich aus Gesprächen schon einiges wusste, so hat doch das Lesen eine besondere Qualität. Ich freue mich auch schon auf den nächsten Bericht.
Wünsche dir eine gute Reise nach Hongkong und eine schöne Zeit mit Marlene und Mike.
Mama
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Danke, so ausführlich zu schreiben bin ich ja eigentlich nicht mehr gewohnt. Mal schauen wie regelmäßig ich das schaff.
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Hej Wolfi!
Genialer Bericht und sicher ein riesen Erlebnis. Des würd ich auch gern mal erleben, aber durch deine perfekte und ausführliche Berichterstattung fühlt man sich eh fast vor Ort. Weiter so freu mi weitere spannende Zeilen von dir mit vollem Interesse zu lesen 🙂
Viel Spaß bei der nächsten Station!
Glg Magdalena
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bitte berichte in der Qualität und Regelmäßigkeit weiter und wir haben tatsächlich alle das Gefühl als wären wir dabei! ich bin mir sicher, hongkong liefert bereits den nächsten Stoff für einen blog Eintrag ;-)))
geniesst die zeit ihr drei,
marky
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Super Blog. Eine spannende Reise wünsche ich dir noch! lg aus Wien. chris
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Danke Chris! Du wirst noch davon lesen. 😉
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vielen lieben dank für die einladung zu deinem blog 🙂
die einblicke sind sehr lebhaft und sympathisch.
ich muss mich beim lesen an den heizkörper ketten, um nicht augenblicklich gen vienna international airport zu fahren 😡
genieß deine auszeit und komm irgendwann mit mehr ideen und energie wieder.
bb
Tom
p.s.: verrate mir doch bitte aus welchem buch die abfotografierte seite stammt.
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Freut mich, dass der Blog seine Wirkung nicht verfehlt 😉
Das Buch heißt “Kunst des Reisens” und ist von Alain de Botton.
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